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NationalparkZentrum Kellerwald
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10.06.2014

"Wildkatzensprung" - Rückkehr auf leisen Pfoten– BUND- Sonderausstellung im NationalparkZentrum Kellerwald

Am Mittwoch, den 11. Juni 2014 um 19:30 Uhr findet im Kino des NationalparkZentrums der Vortrag statt.

Bad Wildungen / Vöhl-Herzhausen. Am 11. Juni eröffnete die Sonderausstellung „Wildkatzensprung“ – Rückkehr auf leisen Pfoten des BUND im NationalparkZentrum Kellerwald.

Die Wildkatze galt in der Kellerwald-Region lange als ausgestorben. Nach über 60 Jahren ist sie nun auf leisen Pfoten zurückkehrt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Hessen präsentiert in der Fotoausstellung „WildkatzenSPRUNG – Rückkehr auf leisen Pfoten“  sowohl eindrucksvolle Landschaftsaufnahmen der vielfältigen Wildkatzenlebensräume sowie faszinierende Portaitaufnahmen des „kleinen Tiger Deutschlands".

Während der Vernissage erfuhren die Gäste nicht nur etwas über die Lebensräume der heimlichen Waldbewohnerin, sondern diskutierten auch über aktuelle Themen  wie Waldverbund und Lebensraumzerschneidung. Denn die Zerschneidung der Wälder durch Straßen und Siedlungen ist die größte Gefahr für die Wildkatze. Nur wenn die Wälder wieder miteinander verbunden werden, können die Wildkatze und zahlreiche andere gefährdete Arten weitläufig wandern, sich vermehren und neue Lebensräume besiedeln.

Der „WildkatzenSPRUNG“ ist Bestandteil des bereits seit 2004 bestehenden Projekts „Rettungsnetz für die Wildkatze“. Im Projektzeitraum 2006 wurde vom BUND Waldeck-Frankenberg gemeinsam mit dem Nationalpark Kellerwald-Edersee ein Wildkatzen-Monitoring initiiert. Dies war zeitgleich der Startpunkt für die Wildkatzenforschung im Nationalpark. Im Jahr 2009 gelang der Nationalparkverwaltung erstmalig der Fotonachweis einer Wildkatze im Großschutzgebiet. Aktuell konnten im Nationalpark neun Wildkatzen nachgewiesen (sechs verschiedene Kuder und zwei Katzen, sowie eine weitere Wildkatze, deren Geschlechtsbestimmung nicht gelang).  Das Wildkatzen-Monitoring im hessischen Nationalpark ist auf internationalem Parkett etwas ganz Besonderes, da es sowohl in seiner Kontinuität als auch Intensität wegweisend ist.

Bildunterschrift:
Die Ausstellung  besteht aus insgesamt 37 Bildern. 30 der beeindruckenden Aufnahmen sind für jeden Besucher im SeminarRaum des NationalparkZentrums kostenfrei zugänglich, weitere 7 Bilder werden in dem kostenpflichtigen Ausstellungsbereich der Nationalparkeinrichtung präsentiert. Die Ausstellung wird bis zum 31. Juli 2014 zu sehen sein.

Personen:
- Jutta Seuring, stellv. Leiterin Nationalpark Kellerwald-Edersee
- Rudolf Schäfer, Landesvorstand BUND Hessen
- Susanne Schneider, Managerin Naturschutzprojekte BUND Hessen
- Andreas Koch, Abteilungsleiter der Abteilung Klimaschutz, nachhaltige Stadtentwicklung, biologische Vielfalt im Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz



Bildautor: Thomas Stephan

Hintergrund:
Projekt „Wildkatzensprung“
Mit dem Projekt „Wildkatzensprung“ setzt der BUND die Vision eines deutschlandweiten Waldverbundes zum Schutz von in Wäldern lebenden bedrohten Tierarten weiter um.

Seit 2011 entstehen deutschlandweit fünf grüne Korridorverbindungen und eine
Waldaufwertung, die Wildkatze & Co Schutz bei den Wanderungen bieten und
ihre Populationen sichern. Der parallele Aufbau einer deutschlandweiten Gendatenbank für die Wildkatze bis 2017 soll Aufschluss über Wanderbewegungen, Verwandtschaftsverhältnisse und den Grad der Isolierung der verschiedenen Populationen geben.

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) fördert das Projekt „Wildkatzensprung“
im Rahmen des Bundesprogramms „Biologische Vielfalt“ bis 2017 mit 3,8 Millionen Euro. Ergänzt durch Eigenmittel des BUND und andere Förderer stehen für die Umsetzung der Waldverbindungen und den Aufbau der Gendatenbank insgesamt 5,2 Millionen Euro zur Verfügung.

Fünf neue Korridore & eine Waldaufwertung

- Ab 2011 sollen fünf neue Waldverbindungen in den Bundesländern Hessen (Rothaargebirge-Knüll), Niedersachsen (Harz-Solling), Baden- Württemberg (Region Herrenberg), Rheinland-Pfalz (Westerwald/Taunus-Rothaargebirge) und Thüringen (Rhön-Haßberge) entstehen. In Nordrhein-Westfalen werden Wälder in der Eifel durch die Anreicherung von Totholz etc. strukturell aufgewertet, um den Lebensraum der Wildkatze entsprechend ihren Bedürfnissen zu verbessern und diese wichtige Population zu stärken.

- Die bis zu 50 Meter breiten „Waldkorridore“ aus Bäumen und Büschen zwischen bisher isolierten Waldgebieten bieten der Wildkatze und anderen Tierarten (z. B. Luchs, Baummarder, Haselmaus) Schutz für Wanderungen in neue Lebensräume.

- Zur Umsetzung eines Waldkorridors braucht es vor Ort in den Regionen:
Konstruktiven Dialog mit Behörden, Landeigentümern, Landnutzern, den Erwerb von geeigneten Flächen und schließlich die Pflanzung von Bäumen und Büschen durch Freiwillige oder Landschaftspflegebetriebe.

- Die Bepflanzung des ersten Korridors in Hessen im Kreis WaldeckFrankenberg in der Nähe von Viermünden für die Verbindung Rothaargebirge-Kellerwald fand im Jahr 2013 statt, eine Ausweitung der Pflanzungen ist in Vorbereitung.

Aufbau einer bundesweit einmaligen Gendatenbank für die Wildkatze mittels Lockstockmethode

- Beginnend mit November 2011 wurden und werden in drei aufeinanderfolgenden Wintern (jeweils Januar bis März) in einer Art „Rasterfahndung“ Haarproben von Wildkatzen eingesammelt

- In bundesweit 17 Projektgebieten werden jeweils 50 so genannte Lockstöcke (Pflöcke aus angerautem Holz) in den Wald- und Flurboden geschlagen, hinzu kommen noch weitere, kleinere Projektgebiete. Die Lockstöcke werden mit dem natürlichen Lockstoff Baldrian besprüht; reiben sich die Katzen an den Stöcken, bleiben Haare am rauen Holz hängen.

- In Hessen sind es drei Flächen à 50 Lockstöcke, die durch fünf kleinere Probenflächen à 20 Lockstöcke ergänzt werden.

- An der Aktion beteiligen sich in den Regionen nicht nur Förster, und Wissenschaftler, sondern auch viele freiwillige Helfer und Schulklassen.

- Die Haarproben werden im Forschungsinstitut Senckenberg/Gelnhausen analysiert.

- Mit der Gendatenbank können wichtige Aussagen über die einzelnen Populationen getroffen werden, z.B. wie isoliert sie bereits voneinander leben und wo künftig ein grüner Korridor optimal


Lockstock-Methode
Die Forschungsstudie basiert auf der sog. Lockstock-Methode, die damals als neue Forschungsmethode angewandt wurde.  Dabei werden in den Wintermonaten mit Baldrian getränkte Holzpflöcke ausgebracht. In dieser Zeit sind die Katzen auf Partnersuche und die Kater, auch Kuder genannt, durchstreifen auf der Suche nach einer Katze die Waldgebiete. Diese erhöhte Aktivität erleichtert die Untersuchungen. Der verwendete Baldrian übt auf Wildkatzen eine besondere Lockwirkung aus. Durch den Baldrianduft angelockt, reiben sich Katzen an dem rauen Holzpflock. Die anhaftenden Haare werden gesammelt und bestimmt. In zweifelhaften Fällen wird eine Genanalyse Auskunft darüber geben, ob es sich tatsächlich um eine Wildkatze oder eine Hauskatze handelt.

Wildkatze
Die Wildkatze steht seit 1934 in Deutschland unter strengem Schutz. Sie ist eine scheue Waldbewohnerin, die große unzerschnittene Waldgebiete besiedelt. Dabei bevorzugt sie lichte Wälder und Waldlichtungen mit viel Grasbewuchs, da sie dort viele Mäuse – ihre Hauptnahrungsquelle – erbeuten kann. Sie verschmähen aber auch Insekten, Eidechsen, Fische und kleine Vögel nicht. Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Lebensraumes sind Baumhöhlen, in denen die Jungen bevorzugt aufgezogen werden. Als Tagesversteck dienen der Wildkatze auch Felshöhlen, verlassene Fuchs- und Dachsbaue oder trockene, nicht einsehbare Bodenmulden oder Wurzelteller.

- Größe: wie eine Hauskatze
- Gewicht: 4-5 kg
- Lebenserwartung: sieben bis zehn Jahre
- Tragezeit: 63 bis 69 Tage zwischen März und September,   
 pro Wurf normalerweise zwei bis vier, maximal sechs Junge

Bildautor: Thomas Stephan



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