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NationalparkZentrum Kellerwald
Boggel


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03.08.2014

„Vom Wattenmeer zum Buchenmeer“ – Dialog zwischen zwei UNESCO-Weltnaturerbestätten

Die neue SonderAusstellung wird in der Zeit von 03. August bist zum 27. September 2014 im Seminarraum des NationalparkZentrums zu besichtigen sein.

Bad Wildungen / Vöhl-Herzhausen. Am 3. August eröffnete die Sonderausstellung „Vom Wattenmeer zum Buchenmeer“  im NationalparkZentrum Kellerwald. Die gemeinsame Ausstellung mit rund 20 faszinierenden Gemälden der beiden Künstlerinnen Dr. Nina Hinrichs und Diana Köckerling wird bis zum 27. September zu sehen sein.

Derzeit gibt es in Deutschland drei UNESCO-Weltnaturerbestätten – die Grube Messel, das Wattenmeer sowie die „Buchenurwälder der Karpaten und Alte Buchenwälder Deutschlands“, zu denen seit 2011 auch ausgewählte Bereiche des Nationalparks Kellerwald-Edersee gehören. Dr. Nina Hinrichs und Diana Köckerling bilden in ihrer landschaftlichen Gegenüberstellung von Nordsee und den alten Buchenwäldern im Nationalpark Kellerwald-Edersee eine einzigartige Kombination unterschiedlicher Weltnaturerbe-Bilder. Die Kunstwerke ihrer gemeinsamen Ausstellung zeigen abwechslungsreiche Perspektiven und formen thematische Kommunikationslinien.

Nationalparkleiter Manfred Bauer freute sich sehr über diese Sonderausstellung: „Das Wattenmeer wurde bereits 2009 als UNESCO-Weltnaturerbe anerkannt. Unser Nationalpark gehört seit mittlerweile drei Jahren zu der Familie der UNESCO-Weltnaturerbestätten. Mit den über 50 Bergen und Tälern erinnern seine
Baumkronen aus der Vogelperspektive an ein wogendes Buchenmeer. Die künstelrische Darstellung dieser zwei Schätze der Menschheit mit all ihren Facetten ist sehr gelungen.“

Dr. Nina Hinrichs erläuterte: „Die Weltnaturerbestätten Wattenmeer und Alte Buchenwälder Deutschlands bieten insbesondere durch ihren Stimmungsreichtum Verbindungspunkte, an die wir in dieser Ausstellung anknüpfen. Dadurch wird ein malerischer Dialog zwischen diesen zwei besonderen Naturgebieten erzeugt.“

Diana Köckerling ergänzte: „Es ist das momenthafte Zusammenspiel zwischen Licht und Naturphänomenen der Buchenwälder und des Wattenmeeres, das malerisch reflektiert wird und eine Brücke zwischen den Welterbestätten erzeugt.“

SA_NLPZ_Vom Wattenmeer zum Buchenmeer
Bildautor: Blattschatten: Diana Köckerling

Vom Wattenmeer zum Buchenmeer
Bildautor: Bild Wrack: Dr.  Nina Hinrichs

Bildunterschrift:
Die Ausstellung „Vom Wattenmeer zum Buchenmeer“ wird noch bis zum Samstag, den 27. September zu sehen sein. Die acht ausgestellten Bilder im SeminarRaum des NationalparkZentrums Kellerwald sind für alle Besucher kostenfrei zugänglich, weitere zehn Bilder werden im kostenpflichtigen Ausstellungsbereich der Nationalparkeinrichtung präsentiert.

Hintergrund zu den Künstlerinnen und ihren Werken:
Sehweisen auf das Weltnaturerbe Wattenmeer
In Öl- und Acrylgemälden visualisiert Hinrichs verschiedene Perspektiven auf das Weltnaturerbe Wattenmeer. Im Kontext subjektivistischer Landschaftsauffassung werden in seriellen Arbeiten sowohl realistische wie auch abstrakte Sehweisen vermittelt. Das Wattenmeer wurde aufgrund naturwissenschaftlicher Besonderheiten zum Welterbe ernannt, doch ebenso besitzt es aufgrund ästhetischer Kriterien großen Wert. Hinrichs‘ Bilder visualisieren eindrucksvoll die Dynamik und den Stimmungsreichtum des Wattenmeeres.
Inspiriert durch persönliche Erlebnisse hat sie ihre Malereien angefertigt. Die Motive reichen von der aufgepeitschten rauen See bis hin zur friedlichen Wattlandschaft. Flut und Ebbe sowie schnell wechselnde Wetterphänomene und das Gefühl von Weite und Verlassenheit in dieser unendlich scheinenden Natur, sind Aspekte, die Eingang in ihre Bildwelten fanden. Dabei werden ungewohnte Perspektiven angestrebt. So wird der Stereotyp der grauen Wattlandschaft aufgebrochen. Die Farben in vielen ihrer Werke zeugen vom Stimmungsreichtum dieser Natur, die u.a. durch schnell wechselnde Wetterphänomene und Lichtreflexionen der amphibischen Landschaft zustande kommt. Zudem ist das Gefühl von Weite und Verlassenheit in dieser unendlich scheinenden Natur ein Charakteristikum. Es ist eine Landschaft, in der der Mensch auf sich selber zurückgeworfen wird, und sich angesichts der Größe der ihn umgebenden Natur, als klein und nichtig empfinden kann. Diese Empfindung wurde in vielen Werken umgesetzt.
Weiterhin steht Hinrichs‘ künstlerisches Werk in Verbindung zu ihrer wissenschaftlichen Forschung. Sie ist Dozentin im Institut für Kunst, Musik und Textil an der Universität Paderborn und analysiert den Wandel in den Darstellungstraditionen des Wattenmeeres und der Nordsee in der Kunst des 19. bis 20. Jahrhunderts. Zudem konzipiert und evaluiert sie künstlerische Vermittlungsstrategien im Kontext der Welterbebildung. Auf Basis dieses Wissens werden in ihren Werken eigene Erfahrungen und Sehweisen umgesetzt. Insgesamt liegt in den Bildern eine vielseitige Annäherung an die Stimmungsvielfalt des Wattenmeeres vor. Ihre Werke sind bis Ende Mitte September 2014 sowohl im Nationalparkzentrum Kellerwald als auch in der Galerie des Wattenmeer Besucherzentrums Wilhelmshaven  zu sehen.

Visuelle Annäherungen an das Welterbe „Alte Buchenwälder Deutschlands – Teilgebiet Kellerwald“
In den Kunstwerken von Diana Köckerling wird ein Motivspektrum aus Landwegen und den Wäldern präsentiert, das sich besonders durch den nahen Blick auf ausgewählte Pflanzenphänomene auszeichnet. Die bis zu 2,0m x 1,5 m großen Bildformate führen die Aufmerksamkeit der BetrachterInnen auf die kleinen Dinge, die in ihrer Größenüberzeichnung eine Auseinandersetzung mit dem nationalen und internationalen Naturerbe aus verschiedenen Perspektiven herbeiführen. Als regionaler Bezugspunkt ist das UNESCO-Weltnaturerbe „Buchenurwälder der Karpaten und Alte Buchenwälder Deutschlands – Teilgebiet Kellerwald“ zu nennen.
Köckerling ist Studienrätin im Fach Kunst an der Gesamtschule Quelle in Bielefeld. Darüber hinaus promoviert zum UNESCO-Welterbe „Der heilige Hain der Göttin Oshun“ in Nigeria und erforscht in ihren Arbeiten künstlerisch ein regional verortetes, organisches Motivspektrum und dessen internationale Referenz.
Sie findet ihre Motive auf Wanderungen, auf denen der suchende Blick eine aufmerksame Begeisterung für Phänomene der Natur zulässt und das Selbstverständliche neu gesehen werden kann. Von Blattstrukturen und Baumrinden bis zu Schatten von Pflanzen, welche durch das Zusammenspiel von Sonnenlicht und Wind verursacht werden, reicht das Motivspektrum. Der Pinselduktus ist dabei zurückgenommen und erzeugt eine fließende Leichtigkeit. Ihre Bilder strahlen Ruhe aus. Sie lassen eine stille und konzentrierte Betrachtung zu, welche dem schnellen und flüchtigen Blick von reizüberfluteten Alltagssituationen entgegensteht. Unterstützt wird dieser Eindruck durch eine teils zurückgenommene, teils intensive Farbgebung, die individuelle Stimmungsmomente ausdrücken und Betrachtern Naturerfahrungen eröffnen.
Diana Köckerlings wissenschaftliche Arbeit zum „heiligen Hain der Göttin Oshun“ wird durch ihre künstlerische Auseinandersetzung mit der heimischen Flora intensiviert, in der unter anderem eine Entdeckung mythologisch belegter Orte, wie beispielswiese des Quernst im Nationalpark Kellerwald-Edersee, internationale Forschungslinien aufzeigt. Das künstlerische Werk von Köckerling zeichnet sich durch eine Vielfalt an Darstellungsformen von Wäldern und Wegen aus, welche konkrete Entdeckungen sind und damit verknüpfte Bedeutungen vergegenwärtigen.

Hintergrund Weltnaturerbe:

„Buchenurwälder der Karpaten und Alte Buchenwälder Deutschlands“
Das Welterbekomitee der UNESCO hat am 25. Juni 2011 auf seiner 35. Sitzung in Paris entschieden, die "Alten Buchenwälder Deutschlands" in die Liste des Welterbes einzuschreiben. Sie ergänzen hervorragend das seit 2007 bestehende UNESCO-Weltnaturerbe "Buchenurwälder der Karpaten", mit denen die deutschen Gebiete nun eine gemeinsame Stätte bilden.   
Sommergrüne Laubwälder erstrecken sich fast ausschließlich auf die nördliche Halbkugel. Die Rotbuche, Fagus sylvatica, kommt jedoch ausschließlich in Europa vor. Es ist weltweit ein einzigartiger Vorgang, dass die Rotbuche als einzelne Baumart  im Zuge eines  sogar noch andauernden (!), ökologischen Prozesses die Wald- und Ökosystembildung weiter Teile eines ganzen Kontinents bestimmt. Diese Dominanz hat sich innerhalb von wenigen Jahrtausenden, seit der letzten Eiszeit, entwickelt – einer geologisch wie evolutionär gesehen extrem kurzen Zeitspanne. Gegenwärtig zeigt innerhalb Europas insbesondere Deutschland markant den ungebrochenen Prozess, der einen Kontinent prägt.       
Weitere hervorragende europäische Buchenwaldgebiete sollen im Rahmen einer seriellen Erweiterung folgen. Damit soll das Abbild des andauernden ökologischen Prozesses und der außergewöhnlichen biologischen Vielfalt der europäischen Buchenwälder in den unterschiedlichen biogeografischen Regionen vervollständigt werden.
Zu den „Alten Buchenwälder Deutschlands“ zählen ausgewählte Bereiche der Nationalparks  Jasmund und Müritz in Mecklenburg-Vorpommern, des Nationalparks Hainich in Thüringen, des  Nationalparks Kellerwald-Edersee in Hessen und der Grumsin im brandenburgischen UNESCO-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Sie bilden die unterschiedlichen Buchenwaldtypen Deutschlands ab, von den Mittelgebirgen bis zur Küste. Sie beherbergen außerdem zusammen mehr als zwei Drittel der Waldpflanzenarten, deren Weltverbreitung auf Europa konzentriert ist. 
Der Kellerwald weist die besten und ausgedehntesten bodensauren Buchenwälder des Mittelgebirges über Schiefer und Grauwacke auf.  Seine Wälder zeichnen sich durch ihre Naturnähe und einen überdurchschnittlich hohen Altholzanteil mit Urwaldrelikten aus. 18 von 22 in Hessen vorkommenden Fledermausarten, sieben von zehn mitteleuropäischen Spechtarten, Urwaldzeiger wie der Pilz Ästiger Stachelbart, der Veilchenblaue Wurzelhalsschnellkäfer sowie die Pfingstnelke als Eiszeitrelikt belegen den Strukturreichtum dieser alten Wälder. Die Weltnaturerbefläche im Nationalpark Kellerwald-Edersee ist 1467 ha groß.
Der Status als Weltnaturerbe ist eine besondere Auszeichnung und ein enormer Imagegewinn für die Region in Nordhessen. Weitere Informationen unter www.nationalpark-kellerwald-edersee.de und www.weltnaturerbebuchenwaelder.de

„Wattenmeer“
Seit Juni 2009 ist das Wattenmeer der deutschen und niederländischen Nordseeküste UNESCO-Weltnaturerbe. Meeresgrund trifft Horizont- diese einzigartige Naturlandschaft, die dem Wechsel der Gezeiten aus Ebbe und Flut unterworfen ist, bietet für mehr als 10.000 Tier- und Pflanzenarten Lebensraum, darunter auch für Millionen von Zugvögeln. Weitere Informationen unter www.nationalpark-wattenmeer.de und www.waddensea-worldheritage.org/de.
Am Sonntag, den 3. August 2014 um 15:00 Uhr wird die neue SonderAusstellung
im NationalparkZentrum Kellerwald eröffnet.



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