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NationalparkZentrum Kellerwald
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01.12.2017

Nationalpark Kellerwald-Edersee – Weltnaturerbe in Hessen

Buchpräsentation im NationalparkZentrum Kellerwald am Sonntag, den 03.12.2017 ab 15:00 Uhr.

Bad Wildungen. Vöhl-Herzhausen. Am 1. Advent stellte Norbert Panek am Erscheinungstag sein Buch über das UNESCO-Weltnaturerbe im hiesigen Nationalpark im NationalparkZentrum Kellerwald vor. Zwölf europäische Länder, 41 Schutzgebiete und 78 Stätten: das transnationale UNESCO-Weltnaturerbe "Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas" bildet den andauernden ökologischen Prozess sowie die außergewöhnliche biologische Vielfalt der europäischen Rotbuchenwälder in unterschiedlichen biogeografischen Regionen ab. Auch ausgewählte Bereiche des Nationalparks Kellerwald-Edersee gehören zu den Schätzen der Menschheit und wurden bereits im Jahr 2011 in die Welterbeliste aufgenommen. Die multimediale Dauer- und Erlebnisausstellung des NationalparkZentrums Kellerwald wurde in den darauffolgenden Jahren mit neuen Exponaten und Modulen erweitert, um Einheimische und Gäste über die besondere Welterbe-Auszeichnung anschaulich sowie abwechslungsreich zu informieren. Erika Hofmann, Leiterin des NationalparkZentrums Kellerwald, begrüßte di3 Gäste zur Buchpräsentation und freute sich über deren großes Interesse. Sie skizzierte das Thema Weltnaturerbe in der Ausstellung und in der Bildungsarbeit des NationalparkZentrums.
Achim Frede, Leiter der Abteilung Naturschutz, Forschung und Planung im Nationalparkamt, stimmte mit seinem Bildvortrag „Der Kellerwald als Teil des Weltnaturerbes Europäische Buchenwälder“ auf die Buchvorstellung ein. „Der Kellerwald gehört jetzt zur größten seriellen Weltnaturerbestätte der Welt. Wir sind stolz, diesen Prozess mit angestoßen zu haben“, freute er sich. In seinem Buch „Nationalpark Kellerwald-Edersee – Weltnaturerbe in Hessen“ nimmt Norbert Panek die Leser mit auf eine spannende Reise in die Schatzkammern des Großschutzgebiets. Er stellt darin nicht nur die verschiedenen Waldtypen sowie Flora und Fauna des Nationalparks vor, sondern begibt sich auch auf einen spannenden historischen Exkurs. Norbert Panek erläutert die teilweise noch sichtbaren Spuren alter Bewirtschaftungs- und Nutzungsformen wie Köhlerei oder Waldweide in der Region und erinnert an den steinigen und fast zwanzig Jahre andauernden Weg zur Ausweisung des einzigen hessischen Nationalparks.
Das 168 Seiten umfassende, vollfarbige und reich bebilderte Buch „Nationalpark Kellerwald-Edersee – Weltnaturerbe in Hessen“ kostet 24,90 Euro. Am Erscheinungstag konnten sich interessierte Gäste ihre Exemplare als besondere Erinnerung vom Autor signieren lassen. Im Anschluss an die Buchpräsentation stellte Roland Lehmann vom Verlag Natur + Text die Reihe „Alte Buchenwälder Deutschlands“ vor, in der das Buch von Norbert Panek über den Nationalpark Kellerwald-Edersee als vierter Band erscheint. Derfünfte Band über den Nationalpark Jasmund befindet sich derzeit in Vorbereitung.
Bisher veröffentlicht wurden:
• Serrahn- Weltnaturerbe im Müritz-Nationalpark
• Grumsin - Weltnaturerbe im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin
• Nationalpark Hainich - Weltnaturerbe in Thüringen
Das Buch „Nationalpark Kellerwald-Edersee – Weltnaturerbe in Hessen“ von Norbert Panek erschien am 3. Dezember. Nationalparkverwaltung und Autor stellten es am selben Tag geladenen Gästen sowie der interessierten Öffentlichkeit im NationalparkZentrum Kellerwald vor.
Bildautor: Nationalpark Kellerwald-Edersee


Hintergrund:
UNESCO-Weltnaturerbe "Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas".
Das Welterbekomitee der UNESCO entschied am 25. Juni 2011 auf seiner 35. Sitzung in Paris, die "Alten Buchenwälder Deutschlands" in die Liste des Welterbes einzuschreiben. Sie ergänzten hervorragend das seit 2007 bestehende UNESCOWeltnaturerbe "Buchenurwälder der Karpaten“. Am 7. Juli 2017 wurde in Krakau das bestehende transnationale Weltnaturerbe "Buchenurwälder der Karpaten und
Alte Buchenwälder Deutschlands" erneut erweitert. Es wurden 63 Buchenwälder in 10 Ländern in die Welterbeliste aufgenommen. Somit besteht derzeit das UNESCOWeltnaturerbe "Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas" aus insgesamt 78 Stätten in 41 Schutzgebieten in 12 europäischen Ländern.
Gemeinsam bilden sie den andauernden ökologischen Prozess sowie die außergewöhnliche biologische Vielfalt der europäischen Buchenwälder in den unterschiedlichen biogeografischen Regionen ab: Sommergrüne Laubwälder erstrecken sich fast ausschließlich auf die nördlicheErdhalbkugel. Die Rotbuche, Fagus sylvatica, kommt jedoch ausschließlich in Europa vor. Es ist weltweit ein einzigartiger Vorgang, dass die Rotbuche als einzelne Baumart im Zuge eines sogar noch andauernden, ökologischen Prozesses die Waldund Ökosystembildung weiter Teile eines ganzen Kontinents bestimmt. Diese Dominanz hat sich innerhalb von wenigen Jahrtausenden, nach der letzten Eiszeit, entwickelt – einer geologisch wie evolutionär gesehen extrem kurzen Zeitspanne.
Gegenwärtig zeigt innerhalb Europas insbesondere Deutschland markant den ungebrochenen Prozess, der diesen Kontinent prägt. Zu den „Alten Buchenwälder Deutschlands“ zählen ausgewählte Bereiche der Nationalparks Jasmund und Müritz in Mecklenburg-Vorpommern, des Nationalparks Hainich in Thüringen, des Nationalparks Kellerwald-Edersee in Hessen und das Waldgebiet Grumsin im brandenburgischen UNESCOBiosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Sie bilden die unterschiedlichen Buchenwaldtypen Deutschlands ab, von den Mittelgebirgen bis zur Küste. Sie beherbergen außerdem zusammen mehr als zwei Drittel der Waldpflanzenarten, deren Weltverbreitung auf Europa konzentriert ist.
Der Kellerwald weist die besten und ausgedehntesten bodensauren Buchenwälder des Mittelgebirges über Schiefer und Grauwacke auf. Seine Wälder zeichnen sich durch ihre Naturnähe und einen überdurchschnittlich hohen Altholzanteil mit Urwaldrelikten aus. 18 von 22 in Hessen vorkommenden Fledermausarten, sechs von zehn mitteleuropäischen Spechtarten, Urwaldzeiger wie der Pilz Ästiger Stachelbart, der Veilchenblaue Wurzelhalsschnellkäfer sowie die Pfingstnelke als Eiszeitrelikt belegen den Strukturreichtum der alten Wälder.
Die Weltnaturerbefläche im Nationalpark Kellerwald-Edersee ist 1467 ha groß. Spuren alter Nutzungsformen Trotz der Existenz echter Urwaldrelikte lassen sich im heutigen Nationalpark aber auch verschiedene Spuren früherer Nutzungsformen finden, seien es ehemalige Ackerterrassen, Ascheplätze oder Köhlerplatten. Auch die sog. Triescher zeugen von einer früheren Bewirtschaftung in dem Raum; einer extensiv genutzten Felderwirtschaft und Waldweide. Auf den heutigen Magerrasen am Fahrentriesch wachsen seltene Kräuter wie Arnika, Katzenpfötchen, Läusekraut oder Besenheide, die als Ausnahme aktiv erhalten werden. Im Nationalpark Kellerwald-Edersee gilt ansonsten bereits auf über 90 Prozent der Fläche der Prozessschutz und das Motto „Natur Natur sein lassen“.
Die Nationalparkverwaltung greift nur auf den geringen verbleibenden Prozent ein, um naturferne Störelemente zu renaturieren, der Natur als Initialzündung unterstützend unter die Arme zu greifen oder die wenigen Dauerpflegeflächen aus z. B. kulturhistorischen Grünen zu erhalten.
Über den Autor Norbert Panek
• Diplom-Ingenieur für Landespflege
• Leiter des Nationalen Geoparks „Grenzwelten“ im Landkreis Waldeck–Frankenberg
• berät als Waldexperte verschiedene Organisationen
• Gründungsmitglied von "Pro Nationalpark Kellerwald e.V.",
nach Nationalparkausweisung in den "Förderverein für den Nationalpark Kellerwald-Edersee
e.V." umgewandelt

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